Minnesang im Freibad

Autorin Elisabeth Pape im Gespräch mit Dramaturg Tim Puls
Tim Puls (TP): Wie hast du die Arbeit an Escape Love am Mainfranken Theater erlebt?

Elisabeth Pape (EP): Ich hatte mich früh im Prozess mit Schauspieldirektorin Barbara Bily zusammengesetzt, und wir waren uns einig, dass es cool wäre, ein Stück für Jugendliche zu schreiben. Außerdem sollte das Stück einen Würzburg-Bezug haben. Über Walther von der Vogelweide, dessen Grab ja in Würzburg ist, bin ich dann auf das Thema Liebe und Beziehung gekommen. Das hatte mich damals stark beschäftigt. Und dann habe ich einfach angefangen zu schreiben …

TP: Bist du den Minnegesängen von Walther von der Vogelweide in Würzburg erstmals begegnet?

EP: Tatsächlich nicht: Ich bin Fan der Fernsehserie Schloss Einstein gewesen und ich erinnere mich, dass in irgendeiner Folge auch Walther von der Vogelweide Thema war. Mich hat da irgendwas dran angesprochen, dass Menschen immer wieder an sein Grab kommen und dort Kuscheltiere oder Blumen ablegen. Es gibt dieses Ritual: Menschen mit Liebeskummer pilgern da hin und wenn man etwas an dem Grab ablegt, dann legt man gewissermaßen seinen Liebeskummer mit ab. Die Menschen legen ein Herz ab, damit ihr Liebeskummer vorbei geht.

TP: Dein Stück spielt in einem leeren Schwimmbecken, einem Escape-Room – wie kam es dazu?

EP: Ich habe überlegt: Wo könnten drei junge Menschen, die in einer Klasse sind, zufällig auf engem Raum zusammenkommen? Dann hatte ich die Idee mit dem Klassenausflug in einen Escape-Room. Und dann mochte ich dieses Bild, dass alle drei in einem leeren Schwimmbecken ausharren, weil Freibäder für Teenager auch immer aufregend sind, zumindest waren sie das früher für mich. Und das ist ja auch skurril und drängt zum Theater.

TP: Mit welcher der Figuren, Marie, Maximilian oder Sofi e, identifizierst du dich am meisten?

EP: Ich wäre gerne so stark wie Marie, aber ich glaube, ich bin dann doch eher Typ Maximilian. Aber auch nicht so richtig, weil der so passiv ist und in seiner Traumwelt lebt. Aber als Jugendliche, ganz ehrlich, da war ich halt auch so: Ich wollte unbedingt die Liebe finden. Eine Beziehung zu haben war, so wichtig für mich. Letztlich wird es schon so sein, dass alle drei Figuren ein Teil von mir sind. Ich habe sie ja ins Leben gerufen.